Bringt Vokabellernen
mit Karteikarten etwas?
Ja – solange jede Karte dich zwingt, die Antwort selbst abzurufen, und in wachsenden Abständen wiederkommt. Über 22 Studien zu gezieltem Wortlernen wie Karteikarten und Wortlisten hinweg erinnerten Lernende direkt danach die Bedeutung von 60 % der Zielwörter und in späteren Tests von 39 % (Webb, Yanagisawa & Uchihara, 2020); Wörter, die nur beim Lesen oder Hören vorkamen, blieben zu 6–17 % hängen (Webb, Uchihara & Yanagisawa, 2023). Den Rest entscheidet die Nutzung: Wer sich zu bereits gewussten Paaren nicht mehr abfragte, wusste eine Woche später noch etwa ein Drittel davon, wer weiter abfragte, 80 % (Karpicke & Roediger, 2008).
Alle Zahlen sind am Seitenende belegt
Was die Karteikarten-Studien tatsächlich gemessen haben
Die Frage ist direkt untersucht worden, meist mit Wortpaaren: vorne ein fremdes Wort, hinten seine Bedeutung. Die sechs Studien unten fassen entweder Dutzende Experimente zusammen oder verändern genau eine Sache an der Kartennutzung und messen das Behalten Tage später.
Lies die ersten beiden Zeilen zusammen. Sie kommen einem direkten Vergleich am nächsten, den die Forschung hat: gezieltes Lernen ausgewählter Wörter gegen Wörter, die man nebenbei aus Texten und Gehörtem aufschnappt.
| Was getestet wurde | Studie und Stichprobe | Gemessenes Ergebnis |
|---|---|---|
| Gezieltes Wortlernen: Karteikarten, Wortlisten, Schreiben, Lückentexte | Webb, Yanagisawa & Uchihara (2020): Metaanalyse, 22 Studien, 100 Effektstärken | Bedeutung abrufen: 60,1 % direkt danach, 39,4 % in späteren Tests; das Wort selbst produzieren: 58,5 %, dann 25,1 % |
| Neue Wörter nebenbei beim Lesen, Hören oder Schauen aufschnappen | Webb, Uchihara & Yanagisawa (2023): Metaanalyse, 24 Studien, 2.771 Teilnehmende | 9–18 % der Zielwörter direkt danach, 6–17 % in späteren Tests; nur Schauen 7 % |
| Paare nach dem ersten richtigen Abruf weiter abfragen oder aus dem Abfragen nehmen | Karpicke & Roediger (2008): 40 Wortpaare Swahili–Englisch, Abschlusstest nach einer Woche | Etwa 80 % behalten bei wiederholtem Abfragen; 36 und 33 %, wenn Paare nicht mehr abgefragt wurden, selbst bei erneutem Durchlesen |
| Ein großer Stapel gegen vier kleine Stapel und gegen Pauken am Stück | Kornell (2009): drei Experimente, englische Wortpaare aus dem GRE-Wortschatz | Verteiltes Lernen schlug geballtes bei 90 % der Teilnehmenden; nach der ersten Sitzung hielten 72 % das geballte Lernen für wirksamer |
| Verteiltes gegen geballtes Üben beim Fremdsprachenlernen | Kim & Webb (2022): Metaanalyse, 48 Experimente, 3.411 Lernende | Mittlerer bis großer Vorteil fürs Verteilen; längere Abstände schlugen kürzere in späteren Tests; gleichbleibende und wachsende Abstände schnitten gleich gut ab |
| Lernende Karten beiseitelegen lassen, die sie zu können glauben | Kornell & Bjork (2008): vier Karteikarten-Experimente | Das Aussortieren wirkte sich leicht, aber durchgehend negativ auf das Lernen aus |
Die ersten beiden Zeilen sind kein Rennen unter gleichen Bedingungen. Experimente zum gezielten Lernen prüfen eine kleine Zahl von Zielwörtern kurz nach dem Lernen; Studien zum beiläufigen Lernen zählen Wörter, die aus einem nicht darum herum gebauten Text hängen bleiben. Der Abstand ist groß genug, um die Richtung der Belege zu zeigen, aber nimm ihn als Richtung, nicht als genaues Verhältnis.
Drei verbreitete Annahmen über Karteikarten
Die meisten Diskussionen über Karteikarten drehen sich um eine von drei Behauptungen. Eine ist falsch, eine zu einfach, und eine stimmt, lässt aber den Teil weg, der bestimmt, welche Art von Wortwissen du am Ende hast.
- Falsch: „Karteikarten sind stures Auswendiglernen, das nicht hängen bleibt.“ In späteren Tests erinnerten Lernende noch die Bedeutung von 39,4 % der gezielt gelernten Wörter, ein Mehrfaches der 6–17 %, die laut der Metaanalyse zum beiläufigen Lernen aus Input hängen bleiben. Was eine Karte nicht beibringt, ist, wie sich ein Wort im Satz verhält: Kollokationen, Register, Grammatik. Das kommt vom Lesen und Hören, also erledigen Karten und Input verschiedene Aufgaben, statt um dieselbe zu konkurrieren.
- Zu einfach: „Jede Karteikarten-Routine funktioniert.“ Je nach Übung reichte der Sofortgewinn von 18,4 bis 77,0 % (Webb, Yanagisawa & Uchihara, 2020), und das Abrufen der Wortform fiel von 58,5 auf 25,1 % im späteren Test. Paare nach dem ersten richtigen Abruf nicht mehr abzufragen, senkte das Behalten nach einer Woche von etwa 80 auf 33–36 % (Karpicke & Roediger, 2008). Die Methode ist in Ordnung; die meisten Gewohnheiten drumherum sind es nicht.
- Richtig, aber unvollständig: „Verteilte Wiederholung macht Karten wirksam.“ Verteilen hat beim Fremdsprachenlernen einen mittleren bis großen Effekt (Kim & Webb, 2022). Aber die Richtung der Karte wählt es nicht. Japanische Englischlernende, die das englische Wort selbst produzierten, gewannen mehr bei Schreibung, Satzbau und Bedeutung als jene, die es nur wiedererkannten; Wiedererkennen gewann nur beim Erkennen der Bedeutung (Webb, 2009).
Was eine Karte nicht beibringen kann und ein Satz schon, steht in Vokabeln im Kontext oder als Liste lernen?
Fünf Fehler beim Lernen mit Karteikarten und was die Studien zeigen
Jede Zeile unten ist eine Gewohnheit, die die Forschung gemessen hat. Bei den meisten hatten die Lernenden das Gefühl, sie funktioniere, während sie das Behalten nach einer Woche senkte.
| Gewohnheit | Was die Studie fand | Was du stattdessen tust |
|---|---|---|
| Eine Karte nach der ersten richtigen Antwort aussortieren | Paare nicht mehr abgefragt: etwa ein Drittel nach einer Woche behalten, gegen 80 % bei wiederholtem Abfragen (Karpicke & Roediger, 2008); Karten nach Gefühl aussortieren zu lassen, schadete in vier Experimenten leicht, aber durchgehend (Kornell & Bjork, 2008) | Die Karte im Umlauf lassen und den Abstand mit jeder richtigen Antwort wachsen lassen |
| Einen kleinen Stapel in einer Sitzung immer wieder durchgehen | Vier kleine Stapel verloren bei 90 % der Lernenden gegen einen großen (Kornell, 2009); bei gleichem Abstand machte die Stapelgröße selbst wenig aus (Nakata & Webb, 2016) | Auf den Abstand zwischen zwei Durchgängen derselben Karte achten, nicht auf die Größe des Stapels |
| Am Abend vor dem Test pauken | Verteilen schlug das Pauken am letzten Tag bei Kornell (2009); längere Abstände schlugen kürzere in späteren Tests über 48 Experimente (Kim & Webb, 2022) | Dieselbe Zahl an Wiederholungen auf die Tage verteilen, die du hast |
| Die Karte umdrehen, bevor du eine Antwort versucht hast | Abrufversuche, nicht erneutes Lesen, brachten die 80 % (Karpicke & Roediger, 2008); Selbsttesten ist eine von zwei unter zehn Techniken mit hohem Nutzen (Dunlosky et al., 2013) | Erst die Antwort sagen oder tippen, dann umdrehen |
| Immer nur vom fremden Wort zur Bedeutung | Das Wort selbst zu produzieren brachte größere Gewinne bei mehr Arten von Wortwissen als Wiedererkennen (Webb, 2009); das Produzieren der Form fiel im späteren Test auf 25,1 % (Webb, Yanagisawa & Uchihara, 2020) | Für Wörter, die du sagen oder schreiben willst, die Gegenrichtung ergänzen, am besten getippt |
Was die Abstände zwischen Wiederholungen bestimmt und wie stark sie wachsen sollten: Wie oft sollte man Vokabeln wiederholen?
Warum Karteikarten wirken und sich trotzdem nicht so anfühlen
Eine Karteikarte wirkt, weil das Beantworten selbst ein Lernereignis ist. In Karpicke und Roedigers (2008) Experiment erreichten alle Gruppen während des Lernens fast volle Punktzahl, die Lernkurven sahen also gleich aus. Der Unterschied zeigte sich eine Woche später und hing an einer einzigen Variable: ob ein Paar nach dem ersten richtigen Abruf weiter abgerufen wurde. Die Antwort noch einmal durchzulesen, glich das nicht aus.
Der Haken: Das spüren Lernende nicht. In allen vier Bedingungen sagten die Studierenden voraus, etwa die Hälfte der Paare zu behalten, egal was sie getan hatten. Bei Kornell (2009) hielten 72 % nach der ersten Sitzung das geballte Lernen für wirksamer, obwohl Verteilen bei 90 % von ihnen gewann. Eine Befragung von 374 Studierenden ergab, dass sie den Wert verstanden, so lange zu üben, bis alles sitzt, längere Abstände zwischen Wiederholungen aber weder nutzten noch verstanden (Wissman, Rawson & Pyc, 2012). Die Gewohnheit, die sich produktiv anfühlt – ein kleiner Stapel, bis jede Karte leicht ist –, schneidet im Test am schlechtesten ab.
Deshalb bewerten Übersichtsarbeiten zu Lerntechniken die Methode hoch, wenn sie richtig eingesetzt wird. Dunlosky und Kollegen (2013) beurteilten zehn Lerntechniken und gaben nur zweien einen hohen Nutzen: Selbsttesten und verteiltem Üben. Eine Karteikarte, die du beantwortest, bevor du sie umdrehst, und die in wachsenden Abständen wiederkommt, ist beides zugleich.
So legst du deine Karten passend zu deinem Ziel an
Die richtige Karte hängt davon ab, wofür du das Wort brauchst. Einen Film verstehen und das Wort im Gespräch sagen sind verschiedene Fähigkeiten, und die Forschung zeigt, dass Karten vor allem die Richtung trainieren, die du übst.
Wenn du nur eine Sache ändern kannst: Bau vor jedem Umdrehen einen Abrufschritt ein. Das kostet eine Sekunde pro Karte und ist die Variable hinter den 80 %.
| Ziel | Kartenformat | Warum |
|---|---|---|
| Wörter beim Lesen und Hören verstehen | Fremdes Wort vorne; die Bedeutung abrufen, bevor du umdrehst | Wiedererkennungsübungen brachten den größten Gewinn beim Erkennen der Bedeutung (Webb, 2009) |
| Die Wörter selbst sagen und schreiben | Bedeutung vorne; das fremde Wort produzieren, möglichst getippt | Das Wort zu produzieren hob mehr Arten von Wissen (Webb, 2009); die Form verblasst am schnellsten (25,1 % später) |
| Ein Test in zwei Wochen | Alle Karten in einem Stapel, jeden Tag ein bisschen statt alles am letzten Tag | Verteilen schlug Pauken bei 90 % der Lernenden (Kornell, 2009) |
| Ein Wortschatz, der monatelang hält | Gewusste Karten mit immer größeren Abständen im Umlauf lassen | Längere Abstände gewinnen in späteren Tests (Kim & Webb, 2022); gewusste Paare aussortieren kostete mehr als die Hälfte des Behaltens nach einer Woche (Karpicke & Roediger, 2008) |
Das sind Anwendungen der Studien oben, kein getestetes Programm: Die meisten Experimente liefen mit Studierenden und kurzen Listen von Wortpaaren. Die Richtung jedes Effekts ist repliziert; die genaue Größe wird bei deinen Wörtern anders ausfallen.
Wo LearnScreen hineinpasst
LearnScreen ist eine Karteikarten-App mit ungewöhnlichem Auslöser: Die Karte erscheint, wenn du eine App öffnest, die du sperren lässt. Sie macht, was die Tabelle oben für Abrufen und Verteilen empfiehlt; Lesen und Hören musst du dir weiterhin anderswo holen.
Eine Karte beim Griff zum Handy
Über Apples Bildschirmzeit-API sperrt LearnScreen die Apps, die du auswählst. Öffnest du eine, erscheint eine Vokabelkarte mit verdeckter Übersetzung: Ruf sie ab, tippe auf „Übersetzung zeigen“ und dann auf „Weiß ich“ oder „Weiß ich nicht“. Ein zweiter Modus lässt dich aus zwei Möglichkeiten die richtige Übersetzung wählen. Nach der Antwort ist die App 15 Minuten bis ein paar Stunden frei und sperrt sich danach wieder.
Gewusste Wörter kommen später wieder, nicht nie
Geplant wird mit verteilter Wiederholung nach SM-2: Ein Wort kommt nach 1, 3 und 9 Tagen zurück, danach wächst der Abstand mit einem Leichtigkeitsfaktor. Ein richtig beantwortetes Wort wird nicht aussortiert; es kommt in einem längeren Abstand wieder und gilt bei 21 Tagen Abstand als gelernt.
Beide Richtungen, getippt oder gewählt
In der Wiederholung in der App wählst du das Antwortformat (Antwort wählen, Antwort eingeben oder gemischt) und die Richtung (fremdes Wort zuerst, deine Sprache zuerst oder gemischt). So trainieren die Karten auch das Produzieren eines Wortes, nicht nur das Wiedererkennen.
- Elf Sprachen. Englisch, Deutsch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Koreanisch, Polnisch, brasilianisches Portugiesisch, Russisch und Chinesisch.
- 1.080 Wörter pro Sprache. Kuratiert in 18 Themenordnern, dazu so viele eigene Wörter, wie du hinzufügen willst.
- Offline, ohne Konto. Karten und Sperren funktionieren ohne Internet; die optionale Sicherung geht in deine eigene iCloud.
- 7 Tage kostenlos testen. Danach ist LearnScreen ein Monats- oder Jahresabo; den Preis in deiner Währung zeigt der App Store.
Weiterlesen
- Vokabeln im Kontext lernen? — was ein Wortpaar beibringt und was nur ein Satz kann.
- Wie oft Vokabeln wiederholen? — die Abstände hinter verteilter Wiederholung.
- Aktiver und passiver Wortschatz — warum du Wörter verstehst, die du nicht sagen kannst.
- Warum vergesse ich Vokabeln? — die Vergessenskurve und was sie bremst.
- Wie viele Vokabeln am Tag? — ein Tagespensum, das du durchhältst.
Häufige Fragen
Quellen
- Webb, S., Yanagisawa, A., & Uchihara, T. (2020). How effective are intentional vocabulary-learning activities? A meta-analysis. The Modern Language Journal, 104(4), 715–738. DOI
- Webb, S., Uchihara, T., & Yanagisawa, A. (2023). How effective is second language incidental vocabulary learning? A meta-analysis. Language Teaching, 56(2), 161–180. DOI
- Karpicke, J. D., & Roediger, H. L. (2008). The critical importance of retrieval for learning. Science, 319(5865), 966–968. DOI
- Kornell, N. (2009). Optimising learning using flashcards: Spacing is more effective than cramming. Applied Cognitive Psychology, 23(9), 1297–1317. DOI
- Kornell, N., & Bjork, R. A. (2008). Optimising self-regulated study: The benefits—and costs—of dropping flashcards. Memory, 16(2), 125–136. DOI
- Kim, S. K., & Webb, S. (2022). The effects of spaced practice on second language learning: A meta-analysis. Language Learning, 72(1), 269–319. DOI
- Nakata, T., & Webb, S. (2016). Does studying vocabulary in smaller sets increase learning? The effects of part and whole learning on second language vocabulary acquisition. Studies in Second Language Acquisition, 38(3), 523–552. DOI
- Webb, S. (2009). The effects of receptive and productive learning of word pairs on vocabulary knowledge. RELC Journal, 40(3), 360–376. DOI
- Wissman, K. T., Rawson, K. A., & Pyc, M. A. (2012). How and when do students use flashcards? Memory, 20(6), 568–579. DOI
- Dunlosky, J., Rawson, K. A., Marsh, E. J., Nathan, M. J., & Willingham, D. T. (2013). Improving students’ learning with effective learning techniques. Psychological Science in the Public Interest, 14(1), 4–58. DOI
- Sage, K., Rausch, J., Quirk, A., & Halladay, L. (2016). Pacing, pixels, and paper: Flexibility in learning words from flashcards. Journal of Information Technology Education: Research, 15, 431–456. DOI
Drei Grenzen dieser Zahlen. Die meisten Experimente liefen mit Studierenden und kurzen Listen von Wortpaaren, getestet nach Tagen oder Wochen, nicht nach Jahren. Die Metaanalysen zum gezielten und zum beiläufigen Lernen messen Verschiedenes, der Vergleich zeigt also eine Richtung, kein Verhältnis. Und Kornell (2009) nutzte englischen GRE-Wortschatz statt einer Fremdsprache. Wo diese Seite aus einem Ergebnis einen Rat macht, ist das unsere Schlussfolgerung.
Lass die Karten dich finden.
LearnScreen legt eine Vokabelkarte vor die Apps, die du auswählst – so passieren die Wiederholungen, die verteilte Wiederholung verlangt, in Momenten, die du ohnehin am Handy verbringst.
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